Steiner für jeden

Das Goetheanum Nr.6  7.Februar 2014 

Die Rudolf-Steiner-Nachlassverwaltung eröffnet im Dornacher Haus Duldeck einen Lesesaal für «jedermann ohne Unterschied»*.

Einst war hier das Wohnzimmer der Familie Grossheintz, ein Stifter des Dornacher Baugrundes, berichtet Cornelius Bohlen, Vorsitzender der Nachlassverwaltung, heute ist an diesem Ort das Instrumentarium des Rudolf-Steiner-Archivs: Gesamtausgabe und Nachschlagewerke für jeden Besucher. Die nachgelassenen Dokumente kann man sich auf Voranfrage an den Platz bringen lassen. Darunter die Manuskripte zu Werken und Aufsätzen, 1800 Briefe von und 12 000 an Rudolf Steiner, 622 Notizbücher, etwa 7000 Notizblätter, Mitschriften von 5000 Vorträgen. – Zur Eröffnung des Lesesaals, der das neue Zentrum im Haus Duldeck bildet, sind 60 Gäste eng gedrängt zugegen. Irmgard Wirtz Eybl, Leiterin des Schweizer Literaturarchivs, vergleicht in ihren Glückwünschen die Eröffnung des Lesesaals mit dem Projekt, die Schätze des Literaturarchivs aus dem sechsten Tiefgeschoss in einen Öffentlichen Lesesaal zu verlegen, und lädt das Steiner-Archiv in den Arbeitskreis Schweizer Personenarchive ein. David Marc Hoffman, Leiter des Rudolf-Steiner-Archivs, spricht von der betriebsbedingten Haltung der Archivare, die Nutzer als natürliche Feinde zu betrachten und wie hier die Wendung gesucht wird, die Nutzer als den eigentlichen Sinnstifter des Archivs einzuladen. Hoffmann bezeichnet den Lesesaal als eine Fortsetzung der Gesamtausgabe mit anderen Mitteln: zugänglich machen, was den Rahmen der Publizierbarkeit sprengt. Ab jetzt ist es möglich, das Archiv ohne Anmeldung zu besuchen und sich einzulesen.

* Entsprechend den Prinzipien der Anthroposophischen Gesellschaft, «jedem Menschen ohne Unterschied der Nation, des Standes, der Religion, der wissenschaftlichen Überzeugung».