Willy Conrad ( 1879 - 1951)
Willy Conrad lernte Rudolf Steiner am 7. Februar 1907 in Bern anlässlich dessen öffentlichen Vortrags über die «Weisheitslehren des Christentums» persönlich kennen. Rudolf Steiner erwiderte ihm auf seine Frage, ob er in die anthroposophische – damals theosophische – Gesellschaft eintreten sollte: «Jedes Bild muss seinen Rahmen haben!». Dies wurde für Willy Conrad gleichsam in doppeltem Sinne zur Lebenstatsache: Einerseits stellte er als Mitglied des Kölner Zweiges seine ganze Kraft in den Dienst der anthroposophischen Sache und wurde als Vortragender und markanter Redner an den Generalversammlungen bekannt und geschätzt.
Andrerseits griff er mit Enthusiasmus und grosser Gewissenhaftigkeit eine Anregung Rudolf Steiners auf, die grossen Zusammenhänge menschlichen und kosmischen Werdens in farbigen Darstellungen schematisch aufzuzeichnen. Wiewohl Schemata, lassen diese doch den künstlerischen Sinn, den Willy Conrad aus gesundheitlichen Gründen nicht als Geiger pflegen konnte, deutlich werden. Willy Conrad arbeitete noch in seinen letzten Lebenstagen an einer seiner Darstellungen und vollendete sein Leben am Ostermontag 1951.
Zu Willy Conrads schematischen Darstellungen
Fast jeder, der Rudolf Steiners komplexen Darstellungen der Entwicklung von Kosmos, Natur und Kulturgeschichte zu folgen versucht, wird sich früher oder später mit Skizzen und Schematas eine visuelle Übersicht verschaffen wollen. Diese Darstellungen dienen als Merkhilfe, Wegweiser und Orientierungshilfen in den verdichteten Bezügen, die Rudof Steiner vor die Hörer und Leser hinstellt. Er selbst regte zwischendurch an, solche Darstellungsweisen zu pflegen, nicht ohne darauf hinzuweisen, dass ein Schema nur als Hilfestellung seinen Wert habe: ein Schema sei nicht mehr als ein Wäscheschrank, in den man die Wäsche jedoch selbst hineinordnen müsse.
Im Nürnberger Zyklus zur Apokalypse des Johannes sagte Rudolf Steiner – nachdem er selbst eine schematischen Darstellung zeichnete - folgendes: « Das ganze Schema, das wir hinzeichnen, ist nur physisches Denken. Das verhält sich zur vollen Wirklichkeit nicht einmal wie das innere Gerüst eines Hauses zum voll ausgeführten Bau, sondern nur wie das Gerüst aussen, auf dem die Maurer stehen. Das muss wieder abgerissen werden, wenn der Bau steht.» Und etwas weiter: «Natürlich muss der physische Verstand ein Rolle spielen. Es ist deshalb auch nützlich, ein solches Schema hinzustellen, und wir können noch weiter gehen mit unserem Schema.» (Rudolf Steiner, Die Apokalypse des Johannes, GA 104, S. 206, 207).
Willy Conrad war sich dieser Problematik bewusst und stand nie in Gefahr, die Landkarte mit der Landschaft zu verwechseln. Die liebevolle Gewissenhaftigkeit und die künstlerische Ausführung seiner Darstellungen, die neben den hier gezeigten Weltentwicklungs-Zuständen auch Illustrationen zu anderen Vortragsthemen umfassen, geben auch heute noch Anregung zu sinnerfülltem Studium.

