Helmut Federle
Helmut Federle macht 2005 Furore in Basel. Sein mit den Architekten Roger Diener und Gerold Wiederin gestaltetes Forum 3 auf dem Novartis Campus wurde im Juni eingeweiht und revolutioniert, was gängigerweise unter Glasarchitektur verstanden wird. Gehalten von einer sichtbaren Tragstruktur komponiert Federle aus farbigen Scheiben eine Fassade, „die als Geste, als ein nicht notwendiger, luxuriöser Schmuck erkennbar“ (*) wird – kühn und gewagt, fragmentarisch und irritierend. Oder wie Federle selber sagt: „Die sinnliche Schönheit soll man sehen können. Man darf nicht alles nur auf die Funktion reduzieren“ (*). Je nach Tageszeit, Wetter und Standort der Betrachter verändert sich der „Farbschleier über dem ganzen Gebäude“ (*), und nachts „zeigt sich der gläserne Körper als funkelnde Hülle“, als „Schaufenster, mit dem sich das Unternehmen der Stadt – und nicht nur der Stadt – präsentiert (*). Federle gross, sensationell auffällig, Stadtbild-verändernd.
50 Zeichnungen von Helmut Federle im Haus Duldeck
Stilleres von Federle zeigt im Spätsommer und Herbst das Rudolf Steiner Archiv im Haus Duldeck: 50 Zeichnungen, die zwischen 1975 und 1997 in der Schweiz, den USA und auch in Wien entstanden sind. Sie alle befinden sich heute im Aargauer Kunsthaus Aarau, in den Kunstmuseen Basel, St. Gallen und Chur, im Museum zu Allerheiligen Schaffhausen und in der Graphischen Sammlung der ETH Zürich sowie im Musée d’art et d’histoire Fribourg. Wie kaum ein anderer Künstler hat Helmut Federle in den letzten 20 Jahren Zeichnungen an Museen verkauft.
„Begeistert von der monolithischen Form des Goetheanums“
Wie und warum aber kommen solche Zeichnungen nun nach Dornach? 1964 hatte sich Helmut Federle an der Allgemeinen Gewerbeschule in Basel eingeschrieben. Er erlebte Basel damals auf „einer imaginären Achse von Dornach und Ronchamp“. Dabei „begeisterte er sich für die monolithische Form des Goetheanums“ ebenso wie für Corbusiers wunderbare Kirche – „Ronchamp, das war der Geist einer Moderne ohne Dogmatik“ (*). Anthroposophie, so meint der Kunstkritiker Jan Thorn-Prikker, steht „wohl auch für eine Welt des bewusst gewählten Andersseins, für die Korrektur der Normalität durch eine Offenheit für das Spekulative und für die nicht allein rational fassbaren Seiten der Welt“ (*). Anthroposoph ist Helmut Federle deswegen nicht geworden, aber er ist nachhaltig von lebens-reformenden Konzepten fasziniert und besitzt in seinem Wiener Domizil sowohl Möbel der Shaker wie verschiedene anthroposophische Gegenstände. Aufgrund dieses Interesse hat er dem Wunsch Walter Kuglers, des Leiters des Rudolf Steiner Archivs, nach einer Ausstellung in Dornach entsprochen.
Ausstellung, Führungen, Katalog
Am 9. September wird Walter Kugler um 19.00 Uhr die Ausstellung, die Simon Baur kuratiert hat, im Haus Duldeck eröffnen. In die Werke führt Markus Brüderlin, designierter Direktor des Museums Wolfburg, ein. Die Ausstellung dauert vom 10. September bis zum 3. Dezember und ist täglich ausser sonntags geöffnet. Führungen mit Christin Markovic an den Donnerstagen 22.9. und 3. 11. (jeweils 18.00 Uhr) und an den Samstagen, 22.10. und 3.12. (jeweils 12.00 Uhr). Im Schwabe Verlag Basel erscheint ein Katalog mit über 50 farbigen Abbildungen und Texten von Walter Kugler, Angeli Janhsen und Simon Baur: Helmut Federle. Zeichnungen 1975 bis 1997 aus Schweizer Museumsbesitz. ISBN 3-7965-2197-5.
Ursa Krattiger, Medienstelle Anthroposophie Schweiz
(*) Jan Thorn-Prikker. Das gläserne Kleid. Die Fassade des Novartis Gebäudes im Kontext des Werks von Helmut Federle, in: Novartis Campus - Forum 3. Diener, Federle, Wiederin. Christoph Merian Verlag,

