Marie Steiner 1867 – 1948

Marie von Sivers, geboren 1867 in Wloclawek (heute Polen), wuchs an mehreren Orten Osteuropas mehrsprachig auf. Sie konnte sich seit ihrer Kindheit künstlerisch betätigen und dann auch Kunst, insbesondere Theaterkunst studieren. Diese Tätigkeit führte sie u.a nach Paris, St. Petersburg, Dresden und Berlin. Hierbei lernte sie auch Edouard Schuré als Schriftsteller und Theosoph kennen. Er wies Marie von Sivers auf die Deutsche Theosophische Gesellschaft und Rudolf Steiner hin. Bald nach dem ersten Treffen im Jahr 1900 wurde sie die engste Mitarbeiterin Rudolf Steiners, zunächst in der Theosophischen Gesellschaft und dann seit deren Gründung 1913 in der Anthroposophischen Gesellschaft. 1914 heiratete Sie Rudolf Steiner. Marie Steiner war unermüdlich mit dem Aufbau des künstlerischen Teils der Anthroposophie beschäftigt (Einstudierung der Mysterien-Dramen, des Faust etc.). Auf sie geht die neue Form der Sprachgestaltung zurück. Ebenso nahm sie die neu entstehende Eurythmie in ihre Obhut. Zur Unterstützung der neuen Künste gründete sie 1920 den Verein „Eurythmeum“ (heute „Verein zur Förderung anthroposophischer Art und Kunst“). 1908 wurde von ihr der „Philosophisch-Theosophische Verlag“ (später „Philosophisch-Anthroposophischer Verlag“, heute „Verlag am Goetheanum“) gegründet. Die Einnahmen flossen fast ausschliesslich in die Herausgabe von Steiners Schriften. Rudolf Steiner betonte mehrfach, wie er vieles ohne Unterstützung durch Marie Steiner – von Sivers nicht hätte leisten können. Ihr galt Steiners uneingeschränktes Vertrauen, dass sie seine Intentionen richtig verstand und Vieles von ihm unabhängig würde umsetzen können. Als Rudolf Steiner im Jahr 1925 starb, trat sie, wie testamentarisch festgelegt, das Erbe an, was insbesondere die Rechte am schriftlichen Werk betraf. Dies führte zu einem lange andauernden Konflikt mit der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft in dessen Folge sich die Vorstandskollegen von Marie Steiner distanzierten. Darauf gründete Marie Steiner 1943 den „Verein zur Verwaltung und Pflege des Nachlasses von Rudolf Steiner“ (später in „Rudolf Steiner Nachlassverwaltung“ umbenannt) mit einer bewusst kleinen Anzahl von treuen Vereinsmitgliedern, die früher meist auch im dazugehörigen Rudolf Steiner Archiv arbeiteten. Weil sich die Konflikte mit der AAG-Leitung damals nicht beruhigen liessen, wurde 1948 aus einem mit Marie Steiner verbundenen Freundeskreis die „Anthroposophische Vereinigung in der Schweiz“ (AVS) zur Unterstützung der Nachlassverwaltung gegründet. Ende 1948 verstarb Marie Steiner in Beatenberg.

 

Literatur:

  • Marie Steiner – Ihr Weg zur Erneuerung der Bühnenkunst durch die Anthroposophie. Eine Dokumentation, herausgegeben von Edwin Froböse, Dornach 1973.
  • Marie Steiner, Briefe und Dokumente, vornehmlich aus ihrem letzten Lebensjahr, herausgegeben von Hella Wiesberger, Dornach 1981.
  • Hella Wiesberger, Marie Steiner-von Sivers, Ein Leben für die Anthroposophie. Eine biographische Dokumentation, Dornach 1989.
  • Rudolf Steiner – Marie Steiner-von Sivers: Briefwechsel und Dokumente 1901-1925, Rudolf Steiner Gesamtausgabe, GA 262, Basel 2014.
  • Wilfried Hammacher, Marie Steiner. Lebensspuren einer Individualität. Stuttgart 1998.
  • Peter Selg, Marie Steiner-von Sivers. Aufbau und Zukunft des Werkes von Rudolf Steiner, Dornach 2006.