Zur Quellenlage

Für die schriftlichen Werke orientieren sich die Herausgeber an der sogenannten Ausgabe letzter Hand – an der jüngsten von Rudolf Steiner verantworteten Ausgabe. Ältere Ausgaben oder eventuell vorhandene, handschriftliche Entwürfe wurden bisher – allerdings in einem eher bescheidenen Rahmen – als Vergleichsmaterial und für die Darstellung der Editionsgeschichte eines Werkes hinzugezogen. Es werden aber Überlegungen gemacht, in welcher Form die frühen Texte im Hinblick auf die Möglichkeit eines umfassenden Textvergleichs zugänglich gemacht werden können. Entsprechende Versuche in schriftlich-gedruckter Form erwiesen sich als wenig tauglich, weshalb nach anderen Lösungen gesucht werden muss. Keine Fragen in bezug auf die Authentizität stellen sich im Falle von Briefen oder Notizbucheintragungen; die hauptsächliche Schwierigkeit in diesem Bereich besteht in der richtigen Übertragung der Handschrift in Druckschrift.

Von den Vorträgen – seien sie nun öffentlich oder für Mitglieder – gibt es im besten Falle stenographische Nachschriften mit entsprechenden Ausschriften. Der Wert solcher Aufzeichnungen hängt stark vom Können der verschiedenen Stenographen ab. Im schlechtesten Fall gibt es nur noch lückenhafte Hörernotizen, die sich zum Teil inhaltlich widersprechen, oder bloss noch Zeitungsberichte. Im Gegensatz zum schriftlichen Werk bedarf das Vortragswerk der Bearbeitung, was vonseiten der Herausgeber ein ausserordentliches Fingerspitzengefühl erfordert. Es gilt für diese, nicht nur den Wortlaut der Stenogramme und Nachschriften zu berücksichtigen, sondern auch das ideelle Umfeld des dargestellten Inhaltes. Es ist zum Beispiel möglich, dass ein von Rudolf Steiner genannter Ausdruck vom Stenographen falsch verstanden wurde, aber aufgrund des dargestellten Inhaltes ins Richtige gedeutet werden kann. Man muss sich aber immer bewusst sein, dass dieser Teil des überlieferten Werkes im Vergleich zum schriftlichen Werk ein geringeres Mass an Authentizität beanspruchen kann.

Ähnlich liegen die Schwierigkeiten im Falle von Versammlungen mit den verschiedenen Wortmeldungen. Im besten Falle gibt es ein ausführliches Protokoll, im schlechtesten Fall wenige Notizen von der Hand einzelner Versammlungsteilnehmer. In diesem Zusammenhang eindrücklich sind die Notizen, die sich Rudolf Steiner zu den einzelnen Versammlungen in seinen Notizbüchern gemacht hat, erlauben doch die wenigen festgehaltenen Stichworte oft die Rekonstruktion eines ganzen Versammlungsverlaufs in seinen wesentlichen Zügen.

Die künstlerischen Werke sind entweder vorhanden, wobei der Grad seiner Erhaltung oft sehr unterschiedlich ist, oder es ist verlorengegangen, wie zum Beispiel das erste Goetheanum mit all seinen Bauformen. Für diesen Fall sind Beschreibungen oder Abbildungen die einzigen Quellen. Diese erlauben es dann oft auch, den ursprünglichen Zustand eines künstlerischen Werkes bis zu einem gewissen Grade zu rekonstruieren.