Quellenlage
Für die schriftlichen Werke Rudolf Steiners orientieren sich die Herausgeber an der sogenannten Ausgabe letzter Hand, frühere oder in anderen Zusammenhängen erschienene Ausgaben werden als Vergleichsmaterial und für die Darstellung der Editionsgeschichte eines Werkes hinzugezogen. Die Quellenlage ist im Vergleich mit dem Vortragswerk relativ einfach. Für das mündliche Werk Rudolf Steiners muss sich die Herausgeberin auf ein hoch komplexes Quellenmaterial stützen, das in seiner Art einmalig ist. Von den 6000 Vorträgen und Ansprachen, die Rudolf Steiner vor verschiedenstem Publikum hielt, sind 4500 mitstenographiert worden.
Von den anderen Vorträgen haben sich mehr oder weniger ausführliche Zuhörernotizen und Kurzzusammenfassungen in verschiedenster Qualität erhalten. So stellt sich die Aufgabe der Herausgeber als eine aufwendige Rekonstruktion des gesprochenen Wortes dar, die über verschiedene Stufen zu geschehen hat: Entzifferung und Beurteilung des Stenogramms, Beurteilung und Redigieren der vom Stenographen vorgenommenen langschriftlichen Übertragung, Beurteilung und eventuell Korrektur früherer Ausgaben, Miteinbezug neu aufgetauchter Quellenmaterialien (parallele Mitschriften u.ä.) und neuer Erkenntnisse zum Kontext des Vortrags.
In den Fällen, wo nur Hörernotizen und –referate vorhanden sind, wird eine Textgestalt erstellt, die den Inhalt des entsprechenden Vortrages möglichst getreu wiedergibt. Es ist ersichtlich, daß unter diesen Umständen philologische und hermeneutische Interpretationsspielräume editorisch gestaltet und transparent dargestellt werden müssen. Siehe dazu auch die editorischen Grundlinien.
